Ich nehme an, viele von euch kennen Blackmore´s Night. Da ich mir die Musik dieser Band
ebenfalls gerne anhöre und sie gestern ein Konzert auf der Burg zu Burghausen quasi vor unserer Haustür gegeben haben, wollte ich mir dieses
Spektakel nicht entgehen lassen. Doch ich kann gleich zu Beginn dieses Berichts sagen, dass mich die Begeisterung nicht gerade hinweggefegt hat
und dies mein erstes und wohl auch mein letztes Konzert dieser Band war.
Als wir das Tor zum Waffenplatz der Burg erreichten, hatten sich schon einige Fans dort versammelt, die zu meiner Überraschung überwiegend älteren
Semesters waren - wahrscheinlich noch hauptsächlich von Ritchie Blackmore´s Deep Purple Zeiten. Zuerst waren noch alle guter Dinge,
wir hatten Spaß miteinander und sogar die Security-Leute waren ganz entgegen meinen sonstigen Erfahrungen auf Konzerten zu dem einen oder anderen
Späßchen aufgelegt, auch wenn die Koordination etwas zu wünschen übrig ließ. Denn kaum hatten sich die Leute vor dem Tor zusammengerottet,
kam die Ansage, man solle doch eine Gasse bilden, weil da noch ein Auto durch müsse
Das war angesichts der engen Burggasse ein guter Witz und löste einiges Protestgemurmel aus, weil die Leute ihre guten Plätze aufgegeben mussten,
um die Brücke frei zu machen. Nach einer halben Ewigkeit kam das Auto mit Candice Night und Ritchie Blackmore an Bord dann auch angefahren.
Viele Fans winkten ihnen zu und auch Ritchie Blackmore schien sich mächtig zu freuen, seine Fans zu sehen - denn er zog sich gleich seine Jacke
übers Gesicht. Da dachte ich mir schon: na, was bist du denn für ein schräger Vogel.
Um 17.30 Uhr, zur offiziell angekündigten Zeit des Einlasses, hatte sich schon eine sehr beachtliche Menschenmenge versammelt.
Doch es wurde 18.00 Uhr, 18.15 Uhr, 18.30 Uhr und die Leute standen sich immer noch die Beine in den Bauch. Unter den Fans machte sich langsam
aber sicher Unmut breit, besonders als mitgeteilt wurde, dass der Grund für das lange Warten Ritchie Blackmore war, der noch nicht wünschte,
dass die Fans das Gelände betreten. Durch das Warten in der Sonne wurde einigen übel und bald brach der erste zusammen und die Sanitäter bekamen
schon vor Beginn des Konzerts einiges zu tun. Nun wurden die Stimme schon lauter: Wie viele müssen denn noch umfallen, bis wir endlich rein können ?
Sagt ne Zahl, dann können wir das arrangieren. Von den umstehenden Fans bekamen wir dann ein paar nette Stories von Blackmore´s Launen zu hören.
Einer erzählte, dass er ein Konzert einfach abgebrochen hat, weil es jemand wagte, während dem Konzert zu fotografieren. Ein anderer erzählte,
dass er von einer vorderen Reihe in eine Reihe ganz hinten gescheucht wurde, weil seine achtjährige Tochter so nah an der Bühne ein Sicherheitsrisiko
für die Band darstellen würde. Um 18.45 Uhr fingen die Leute dann zu pfeifen an und die ersten Buh - Rufe waren zu hören. Um 19.15 Uhr wurde es
dann brenzlig für die Sicherheitsleute, weil ein paar Fans ganz vorne nun endgültig in Raufstimmung waren und ihnen die Faust zeigten, was diese
dann veranlasste, die Leute endlich einzulassen.
Wir hatten Glück und ergatterten Plätze in der Nähe der Bühne. Doch obwohl der Beginn des Konzerts für 19.00 Uhr angekündigt war,
mussten wir uns noch zwei Stunden den Hintern platt sitzen, bis um 21.00 Uhr endlich das Konzert anfing und Ritchie Blackmore mit einem
Gesicht wie drei Tage Regenwetter die Bühne betrat. Zu Beginn des Konzert wurde auch gleich aufgeräumt. Jeder, der sich erdreistete, seine
Kamera hervorzuholen um ein paar Fotos zu machen, wurde kurzerhand einfach samt seiner Kamera hinausgeworfen. Das war wirklich mehr als daneben.
Das Konzert selbst war insgesamt ok. Enorm gestört hat die Tatsache, dass der Soundtechniker eine ziemliche Flasche war. Die ruhigeren Songs waren
sehr schön, doch bei den schnelleren und härteren Songs hat es einem fast das Trommelfell zerrissen, weil der Sound völlig übersteuert war und man
nur noch ein nervenaufreibendes Gekrache und Gekreische gehört hat. Einige Songs waren von Candice sehr gut gesungen, andere ließen etwas zu wünschen
übrig. Es war schön, dass fast alle meine Lieblingssongs gespielt wurden wie "The Clock Ticks On", "Play Minstrell Play" (einer meiner absoluten
Lieblingssongs), "Dandelion Wine", "Where are we Going from Here", "Old Village Lantern", "World of Stone" und vor allem "Home Again", der mir
diesmal wirklich aus der Seele gesprochen hat. Was das Konzert auch wirklich bereichert hat, war das Publikum. Das waren wirklich alles klasse
Leute, die alle mitgeklatscht und mitgesungen haben, was für eine tolle Stimmung sorgte, vor allem auch beim Song "Home Again". Auch Ritchie
Blackmore kann man sein musikalisches Talent nicht absprechen. Er ist ein fantastischer Musiker. Deswegen kann man abschließend sagen, dass
das Konzert insgesamt sehr gut war, von der Soundtechnik einmal abgesehen. Was mich aber stört ist einfach die menschliche Seite. Auch wenn
ich ein talentierter Künstler bin, muss ich mir das nicht raushängen lassen und den Leuten mit Nichtbeachtung begegnen, denn schließlich waren
die Tickets nicht gerade billig. Während des gesamten Konzerts starrte er in den Boden und hat das Publikum keines Blickes gewürdigt. Und Candice ?
Dazu kann ich nur sagen, dass ich von aufgesetzter Freundlichkeit nicht gerade viel halte. Die Musik ist zwar sehr schön, aber Blackmore´s Night
ist leider ein Beispiel dafür, wir der Erfolg manchen Künstlern in den Kopf steigen kann. Ritchie ignoriert seine Fans einfach und lässt sich seine
"Macht" raushängen und Candice weiß vor lauter übergeschnappt nicht mehr, wie sie sich bewegen soll. Das Publikum wurde weder begrüßt noch
verabschiedet. Die zwei sind einfach ohne Kommentar von der Bühne verschwunden. Auf jeden Fall kommt von den beiden nichts rüber. Man könnte
genauso gut zwei ferngesteuerte Marionetten auf die Bühne stellen. Die Energie kam allein vom Publikum, das wirklich toll war. Umso
erstaunlicher ist es, dass es Fans gibt, die sich zwar über die Launen von Blackmore beschweren, aber trotzdem zu jedem Konzert gehen.
Von mir sieht Blackmore´s Night jedenfalls keinen Cent mehr. Da höre ich mir die Musik lieber auf CD an.
Doch trotz des strengen Kameraverbot, konnte ich ein paar Bilder machen :D