Iltalehti, 03-11-2006, Finnland

















Ein Jahr ohne Nightwish hat Tarja Turunen zu einem stärkeren und sensibleren Menschen gemacht - aber ihr Image bleibt dasselbe.

"Ich habe mich selbst und meine Ängste überwunden"

Tarja Turunen hat ein besonderes Jahr hinter sich. Ein freies Jahr wie sie selbst sagt. "Ich fühle mich jetzt wirklich gut. Ich war nun in der Lage Dinge zu tun, für die ich zuvor keine Zeit hatte und ich habe meine eigenen Fähigkeiten besser zu verstehen gelernt. Ich habe mich in diesem Jahr sehr stark weiterentwickelt. Ich habe das Gefühl, dass ich mich und meine früheren, im Prinzip nicht-existenten Ängste überwunden habe." Die Sopranistin geht über ihr Grundstück in Kuusankoski und deutet auf den Fluß, der nur einige Meter entfernt vorbeirauscht. "Ich liebe diesen Ort. Hier ist meine Heimat. Der Fluß ist so schön und so ein energiegeladenes Element,"seufzt die Starsopranistin. Turunen sagt, dass sie nun als Musikerin und Mensch endlich auf ihren eigenen zwei Füssen steht. "Zuvor war ich ziemlich unsicher und ließ mich leicht von Dingen beeinflussen. Während diesem Jahr wurde nun mir nun klar wer ich bin und was ich eigentlich möchte. Ich bin selbstbewusster und sicherer geworden. Und ich bin nicht mehr so naiv. Ich bin auch sensibler geworden."

Das Leben der Sängerin hat sich vor einem Jahr von einem Augenblick zum anderen verändert. Nightwish, eine der erfolgreichsten Bands Finnland´s, beendete ihre eineinhalbjährige Welttournee in der Hartwall Arena in Helsinki und nach dem Konzert überreichte der Rest der Band der Sängerin einen Brief, mit dem sie gefeuert wurde. "Mein Leben kam damals zu einem Stillstand, aber im Nachhinein ist es jetzt schön, dass ich nun auch kleine, positive Dinge mehr schätzen kann als zuvor. Zuvor war ich immer vie zu beschäftigt. Es ist nicht immer einfach, auf sich selbst zu hören. Wenn die Umwelt Druck auf einen ausübt, denkt man leider zu wenig an sich selbst. Es ist schon eine verrückte Sache, dass man erst Schicksalsschläge einstecken muss, um sich selbst besser zu verstehen."

Turunen ist der Ansicht, dass der Rummel um den Rauswurf lächerliche Ausmaße sowohl in der Öffentlichkeit, als auch in ihren eigenen Gedanken angenommen hatte. "Ich ging durch eine große Veränderung in meinem Leben, aber es gibt schlimmere Dinge. Ich war nicht dazu geboren, die Sänderin von Nightwish zu sein, sondern ich selbst, Tarja Turunen, zu sein. Eigentlich war es doch nur ein Wechsel der Arbeitsstelle," lacht Turunen. Letztendlich war es der Medienzirkus, der sie mehr Kraft kostete als der Rauswurf selbst. "Ich musste das einfach über mich ergehen lassen. Meine Liebe zum Singen hat nie aufgehört. Es ist die Kraft, die mich vorwärts treibt."

Während des letzten Jahres hatte Turunen endlich die Möglichkeit, sich auf die klassische Musik und ihre Solokarriere zu konzentrieren. Turunen stört es nicht, dass sie immer noch als eine Heavy Metal Sopranistin oder als Metal Engel gesehen wird. Die Überbleibsel ihrer Nightwishzeit ist für sie keine Last. Im Gegenteil. "Natürlich versuche ich das Image aufrecht zu erhalten, das die Leute von mir haben. Die Tarja, die die Leute gewöhnt sind zu sehen, wird bis zu einem gewissen Grad noch da sein. Es wäre ja schrecklich, plötzliche, radikale Veränderungen vorzunehmen. Aber mein Musikstil wird sich verändern. Ich werde kein Heavy Metal Album machen, aber ich werde Elemente davon einfließen lassen."

Auch wenn Tuomas Holopainen und die anderen Bandmitglieder ihre frühere Sängerin mit harten Worten kritisieren, fühlte Tarja nie die Notwendigkeit den Leuten zu zeigen, wie sie wirklich ist. Die Vergangenheit ist vergangen und Turunen hat das Kriegsbeil begraben, auch wenn sie bisher keinen Kontakt zu den anderen Bandmitgliedern hatte. "Ich bin wirklich froh, nun ich selbst zu sein," sagt Tarja. Die Nightwishjahre sind Tarja immer noch in guter Erinnerung. "Neun Jahre sind eine lange Zeit. Ich habe viel erlebt und ich bin dankbar dafür. Ohne Nightwish würde ich nun nicht mit dir oder die jetzige Situation sprechen. Ich kann nun eine Solokarriere starten und auf meinen eigenen Füssen stehen. Mit Nightwish habe ich sehr viel erlebt, wozu andere Sängerinnen niemals die Gelegenheit bekommen."

Turunen sagt, dass sie etwas Neues über sich gelernt hat. "Was dich nicht umbringt, macht dich stärker. Dieses Sprichwort ist so zutreffend. Ich vertraue nun mir selbst und meinen Gefühlen viel mehr als vorher. Ich habe keine Angst mehr zu sagen, was ich denke, aber ich bin auch sensibler. Die größte Stärke kommt von innen, aber natürlich habe ich auch Unterstützung von Menschen gebraucht, die mir nahe stehen. Das Leben geht weiter, auch wenn es hart ist."

Ein Weihnachtsalbum, um den Finnen zu danken

Nächstes Jahr wird die international bekannteste finnische Sängerin die Möglichkeit haben, der Welt zu zeigen, dass sie viel mehr ist als Nightwish´s frühere Sängerin. Tarja Turunen kehrt nach einem Jahr Pause wieder zu härterer Musik zurück, wenn ihr erstes Soloalbum weltweit veröffentlich wird. Es wurde ein Deal mit der Plattenfirma German Universal Music abgeschlossen. "Das Album wird Elemente des Heavy Metal haben, aber eine klassische Note wird auch enthalten sein denn wir haben zum Beispiel auch ein Symphonieorchester," verrät die Sängerin. Sie fügt aber hinzu, dass es kein Heavy Metal Album werden wird. Die Arbeit an dem Album hat bereits begonnen, aber Turunen weiß den genauen Veröffentlichungstermin noch nicht.

Wenn sie über Musik spricht, ist Tarja in ihrem Element. "Zum ersten Mal habe ich die Möglichkeit Musik zu machen, dich mich selbst repräsentiert. Es ist eine Mischung aus Härte und Sanftheit. Tarja beschreibt sich selbst als typische Löwen - Persönlichkeit. "Ich mag es auf der Bühne zu stehen und ich habe auch eine gewissen Härte, die sich weniger im täglichen Leben bemerkbar macht, sondern z. B. in meinen musikalischen Vorlieben. Musik muss einen berühren. Entweder ist es ihre Ruhe und Schönheit in einer kleinen Atmosphäre, oder es ist ein wirklich harter Metalsound mit harten Gitarren, die einem die Haare aufstellen." "Ich bin eine Perfektionistin. Ich muss viel arbeiten, um ein Ergebnis zu bekommen, mit dem ich zufrieden bin. Manchmal ist es beängstigend, wie sehr ich mich da manchmal selbst quäle." Turunen möchte noch nicht über den Erfolg des kommenden Soloalbums nachdenken. "Ich bin so vernünftig erst daran zu glauben, wenn es passiert." Vor dem weltweiten Eroberungsfeldzug konzentriert sich Turunen aber auf Weihnachten. Nächste Woche wird ein neues Weihnachtsalbum "Henkäys Ikuisuudesta" veröffentlicht und danach folgt eine Weihnachtstour in Finnland. "Ich wollte ein Album machen, das ich selbst gerne an Weihnachten hören würde. Das Album enthält einige klassische Stücke, einige international bekannte Weihnachtslieder und bekannte traditionel. Das Album enthält einige klassische Stücke, einige international bekannte Weihnachtslieder und bekannte traditionelle finnische Lieder. Auch wenn das Album ein einmaliges Projekt für mich ist, hat mich die Arbeit daran viel gelehrt - Es ist meine Art, mich bei den Finnen für die jahrelange Unterstützung zu bedanken." Turunen´s erstes Konzert ist am Dienstag in Espoo. "Dieses Unicef Konzert ist nicht Teil meiner Weihnachtstour. Es ist eine Zusammenarbeit mit Unicef und dem Tapiola Chor und das musikalische Angebot unterscheidet sich ziemlich von dem der Weihnachtstour. Ich habe schon lange gehofft, den armen Kindern in meinem anderen Heimatland, Argentinien, zu helfen. Aber meine Möglichkeiten, das zu tun sind sehr gering, wenn man bedenkt wie groß die Probleme dort sind."

Scans und Englische Übersetzung von Afrodite
Deutsche Übersetzung von Melanie