Der 8. und 9. Dezember 2005 waren zwei ganz besondere Tage in meinem Leben. Zum einen konnte ich zum ersten Mal ein klassisches Konzert von Tarja erleben, denn bisher hatte ich sie ja immer nur zusammen mit Nightwish auf der Bühne gesehen. Und obwohl ich die Musik von Nightwish in Kombination mit Tarja´s Stimme einfach großartig fand, hielt sich meine Begeisterung angesichts des Gewühles durch mit Nietenhalsbändern bewaffnete, schwarze Gestalten bei Konzerten doch in Grenzen. Zum anderen sollte ich diesmal endlich die Gelegenheit haben, Tarja und Marcelo persönlich kennenzulernen, worauf ich mich schon sehr lange gefreut hatte .

Meine Mom und ich machten uns bereits einen Tag vor dem geplanten Dinner mit Tarja auf den Weg nach Frankfurt, denn wir hatten eine Strecke von immerhin 500 km vor uns und wollten nicht in Zeitdruck geraten. Angesichts der chaotischen Straßenverhältnisse in Frankfurt stellte sich das als äußerst weise Entscheidung heraus. Trotz Navigationssystem habe ich nämlich einige meiner Hauptnervenstränge auf Frankfurts Straßen liegen lassen . Kurioserweise scheint das Wort "links" nicht im Wortschatz eines Frankfurters zu existieren, man kann nämlich nur geradeaus fahren oder rechts abbiegen. Was tut der Mensch aber, wenn er ganz dringend nach links muss ? Nach einigen etwas extravaganten Wendemanövern kam ich schließlich doch noch am Hotel an und stand auch gleich vor dem nächsten Problem: wohin mit der Karre ? Die Frage nach einem Parkplatz erweckt bei den Einheimischen nämlich nur ein müdes Lächeln. Doch einige Zeit und Nervenzusammenbrüche später konnte ich doch noch einen Platz für meinen fahrbaren Untersatz finden.

Vorgewarnt durch unsere verkehrstechnischen Erfahrungen vom Vortag, checkten wir am Donnerstag Vormittag erst mal die Lage ab und sahen, wie wir am besten zur Jona - Kirche und dem Restaurant kommen. Doch beides war relativ problemlos zu erreichen und so konnte ich die Dinge gelassen auf mich zukommen lassen. Am Nachmittag versuchte ich dann meine Nerven bei einem Spaziergang am Main und durch den Weihnachtsmarkt wieder auf Normalzustand zu bringen, was mir jedoch nicht wirklich gelang . Obwohl ich nicht halb so aufgeregt war, wie ich ursprünglich befürchtet hatte, hatte ich doch das Gefühl, als würde sich eine eiskalte Hand um meinen Magen legen. Doch seltsamerweise wurde ich umso ruhiger je näher der Abend kam. Und die letzte Stunde vor der vereinbarten Zeit kam ich gar nicht mehr dazu, aufgeregt zu sein, denn in Frankfurt war das verkehrtechnische Chaos ausgebrochen . Eine Blechlawine schob sich die Straße entlang und durch einen Unfall im Kreisverkehr bildete sich auch noch ein Stau. Aus diesem Grund kam ich gar nicht mehr dazu, mir darüber Gedanken zu machen, wie es wohl sein würde, Tarja gegenüberzustehen, weil ich viel zu sehr damit beschäftigt war, nicht zu spät zu kommen. Doch diese Sorgen waren unbegründet, wie sich später herausstellte, weil Tarja und Marcelo aus denselben Gründen ebenfalls etwas zu spät kamen. Und dann war der lang ersehnte Moment endlich gekommen und wir standen uns gegenüber. Aber entgegen meiner Befürchtungen war in diesem Augenblick meine ganze Anspannung verflogen. Ich habe mich einfach nur unheimlich gefreut, sie zu sehen. Sie ist auf mich zugekommen, ich habe mich vorgestellt, wir haben uns umarmt und sie sagte zu mir: It´s so nice to finally meet you. Da war ich erst mal platt, weil ICH das ja eigentlich sagen wollte . Wir hatten zwar zuvor schon Kontakt über email gehabt wegen meiner Seite, aber das hätte ich trotzdem nicht erwartet und ich war total glücklich über diese Begrüssung. Doch obwohl ich innerlich ziemlich ruhig war, muss ich gestehen, dass mich mein Englisch und wohl auch mein Deutsch kurzzeitig verlassen hatten . In diesen Momenten war ich froh, meine Mom dabeizuhaben, die eigentlich nie Probleme kommunikationstechnischer Art hat. Dann haben wir Marcelo begrüsst und ich muss sagen, dass er ein unglaublich netter Kerl ist. Wir haben uns über meine und Tarja´s Website unterhalten, über das Reisen und über verschiedene andere Dinge.

Was Tarja anbelangt, so hat sie meine Erwartungen, die zugegebenermaßen von Hause aus schon sehr hoch waren, noch um ein Vielfaches übertroffen. Sie ist einfach bezaubernd, anders kann man es nicht beschreiben . Ich möchte an dieser Stelle auch kurz erwähnen, dass Tarja mir gesagt hat, dass ihr diese Seite hier sehr gut gefällt, sie fast jeden Tag reinschaut und dass es sie sehr berührt, wie ich diese Seite gestaltet habe. Das steigert meine ohnehin schon hohe Motivation, diese Seite mit mindestens genauso viel Engagement weiterzuführen wie bisher, natürlich noch mehr. Ich möchte mich deshalb an dieser Stelle noch mal herzlich bei allen Fans bedanken, die VoE besuchen und unterstützen .

Es war ein wundervoller Abend und wir haben uns sehr gut unterhalten, u.a. auch über das Konzert in Savonlinna nächstes Jahr im Juli, bei dem ich auch dabei sein werde. Tarja hat auch deutsch mit uns gesprochen und das wirklich sehr gut wie ich sagen muss.
Eine Zeitlang haben wir darüber gerätselt, was genau das ganze bunte Zeug auf Tarja´s Teller wohl sein könnte . Wir sind nicht dahintergekommen und Tarja meinte, dass sei das erste Mal in ihrem Leben, wo sie etwas essen würde, von dem sie keine Ahnung habe, was es eigentlich ist. Nein Silke, ich werde den Dattel - Witz hier jetzt nicht wiederholen und die Leute besser damit verschonen .
Die Zeit verging für mich jedenfalls wie im Flug und in Null Komma Nichts war es halb eins und damit die Zeit des Abschieds. Aber da war ja noch das Konzert am nächsten Tag, auf das man sich freuen konnte. Und das war absolut großartig. Um 18.45 Uhr, vor dem allgemeinen Einlass, wurden wir von Marcelo durch einen Seiteneingang in die Kirche gelassen und konnten uns deshalb Plätze in der ersten Reihe sichern. Bisher hatte ich Tarja bei Konzerten ja immer nur über hunderte von Köpfen und Arme hinweg bewundern können. Diesmal hatte ich jedoch vollkommen freie Sicht und das war einfach überwältigend. Man nimmt die anderen Leute in der Kirche eigentlich gar nicht richtig wahr und es ist so als würde das Konzert nur für einen selbst stattfinden. Auch die "Bühne" war sehr schön gestaltet. Auf der Treppe zum Altar waren zahlreiche Kerzen aufgestellt, was für eine sehr feierliche Stimmung sorgte. Und dann kam Tarja in ihrem weißen Kleid heraus und sah einfach nur wunderschön darin aus. Tarja wirklich einmal klassisch mit ihrer "richtigen" - sprich ohne Verstärker und Rockmusik im Hintergrund - Stimme singen zu hören war ein unvergessliches Erlebnis. Ihre Stimme trifft einen wirklich direkt ins Herz, anders kann man es nicht ausdrücken . Die Auswahl der Lieder fand ich ebenfalls sehr gelungen. Das "Ave Maria" z.B. zählt ohnehin zu meinen Lieblingslieder und es dann auch noch von Tarja zu hören, war absolut genial. Ihre deutsche Aussprache bei dem Lied war perfekt und sie hat wirklich jeden Ton getroffen. Was mir auch noch sehr nahe gegangen ist war "Varpunen jouluaamuna", v.a. da ich ohnehin eine Schwäche für melancholische Lieder habe.

Es war ein absolut gelungenes Konzert und auch die Musiker haben ausgezeichnet gespielt. Besonders schön fand ich es auch, dass Tarja nach der Zugabe noch einmal alle auf die "Bühne" geholt und für die Abschlussverbeugung an die Hand genommen hat. Das war eine schöne Geste. Nach dem Konzert haben wir noch eine Zeitlang in der Kirche gewartet, bis Tarja sich umgezogen hatte. Dann durften wir noch einmal zu ihr, um uns zu verabschieden. Doch auch die anderen Fans kamen nicht zu kurz, denn Tarja kam anschließend zu ihnen und jeder bekam noch sein Autogramm und durfte Fotos machen.

Alles in allem waren es zwei wunderschöne Tage, die ich wohl niemals mehr vergessen werde. Ich habe viele großartige Leute kennengelernt und möchte an dieser Stelle Silke, Michi, Manuela, Manu, Maik, Dagmar und Petra ganz herzlich grüssen. Ich freue mich schon sehr auf das nächste Mal und hoffe, euch dort alle wieder zu treffen