"Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen…" - auf meine zweiwöchige Irlandreise
trifft dieses Sprichwort ganz besonders zu. Deswegen könnt ihr euch hier auf einen etwas längeren Bericht gefasst machen. Ich bin zwar schon relativ
weit in der Welt herumgekommen, aber ich möchte fast sagen, dass die Rundreise durch die Kelteninsel der bisher abenteuerlichste Urlaub gewesen ist.
Dies liegt nicht zuletzt daran, dass wir uns erstmals entschlossen haben nicht in Hotels zu übernachten, sondern in B&B´s bei Privatpersonen.
Auf diese Weise konnten wir nicht nur die Landschaft, sondern auch die Menschen hautnah kennenlernen.
Die Natur in Irland ist für die relativ kleine Insel sehr abwechslungsreich und besonders die Westküste ist traumhaft schön. Auch ihren
Beinamen "die grüne Insel" trägt Irland absolut zu Recht und ich finde es immer noch erstaunlich wie viele verschiedene Grüntöne es doch
geben kann.
Genauso rauh und abwechslungsreich wie die Natur sind auch die Menschen in Irland und ich habe einige Tage gebraucht, bis ich mich an die
hiesige Mentalität gewöhnt hatte. Mit manchen irischen Eigenschaften werde ich mich jedoch nie anfreunden können. Dazu gehört vor allem
die ausgeprägte Sturköpfigkeit der Inselbewohner. Letztere macht sich vor allem auch im Straßenverkehr bemerkbar. Vom Linksverkehr einmal
ganz abgesehen sind die Straßen in Irland schon an und für sich ein Abenteuer der besonderen Art. Autobahnen sind quasi nicht existent
und die sog. Bundesstraßen sind nur unwesentlich breiter als ein Auto, weswegen einem jedes Mal der Angstschweiß ausbricht, wenn Gegenverkehr
kommt
. Um dem ganzen noch einen besonderen Nervenkitzel zu verleihen,
werden nahezu alle Straßen von Mauern oder meterhohen Hecken gesäumt,
so dass man ja keine Möglichkeit hat auszuweichen ohne sich den Seitenspiegel abzufahren. Und um den Spaß noch mal zu erhöhen, schaffen es
die Iren auf mysteriöse Art und Weise die Straßen mit zahlreichen Buckeln und Schlaglöchern zu versehen, so dass man befürchten muss,
während der Fahrt würde das Auto auseinanderfallen und man würde zum Schluss nur noch mit Autositz und Lenkrad auf der Straße hocken.
Diese Straßen gepaart mit dem irischen Fahrstil sorgen dafür, dass man nach einem Tag auf Irland´s Straßen quasi reif für die Klapsmühle
ist
. Dementsprechend habe ich auf der ganzen Insel auch kein
einziges Auto gesehen, das nicht irgendwelche Beulen, Kratzer oder eingedrückte
Türen gehabt hätte.
Für eine erhöhte Herzfrequenz sorgen auch die Preise auf der grünen Insel. Für eine Mahlzeit werden einem 25 Euronen abgeknüpft
und auch ansonsten sind die Inselbewohner Weltmeister im Abzocken. Besonders ausgenutzt wird dabei Irland´s Geschichte und ihr
Ruf als Kelteninsel. Für jeden unscheinbaren Steinhügel werden erst mal 3-5 € Eintritt pro Person verlangt, wobei man sich bei
70 % der "keltischen" Relikte nicht ganz sicher ist, ob nicht vielmehr ein schlaues Bäuerlein ein paar Steinhügel aufgeschichtet
hat, um sich ein wenig was dazuzuverdienen. Wir haben am Schluß schon gescherzt, dass man alle echten Hinterlassenschaften der
Kelten daran erkennt, nichts für ihre Besichtigung bezahlen zu müssen.
Aber ich werde jetzt mal von vorne beginnen zu erzählen:
Nachdem wir uns nach unsere Ankunft durch das unkontrollierbare Chaos des Dubliner Flughafens gewühlt und unser Mietauto abgeholt hatten,
stürzten wir uns gleich mal zur ersten Abhärtung in den Dubliner Feierabenverkehr und lernten erstmals die Freuden des Linksverkehrs kennen.
Überraschenderweise hatten wir uns relativ schnell umgewöhnt und meine Horrorvisionen von einer drohenden Massenkarambolage hatten sich zum
Glück nicht bewahrheitet. So kamen wir auch bald bei unserem ersten B&B an und wurden von einer sehr netten, älteren Dame names Eileen herzlich
empfangen, die uns gleich bei unserer Ankunft einen Kaffee machte und uns am nächsten Morgen ein fürstliches Frühstück auftischte.
Unsere erste Begegnung mit einem irischen "Guinness"
Meine Mom, Eileen und ich am Frühstückstisch
Der erste Tag führte uns zunächst zum Powerscourt Waterfall und den Powerscourt Gardens südlich von Dublin. Hier lernten wir auch erstmals
die Wechselhaftigkeit des irischen Wetters kennen: Regen wird von strahlendem Sonnenschein abgelöst, während Wolkenberge über den Himmel
jagen und ab und zu ein Regenbogen hervorblitzt. Durch das feuchte Klima ist die Vegetation dementsprechend üppig und manchmal hat man
das Gefühl, sich nicht auf einer Insel im Norden, sondern in einem Regenwald zu befinden.
Powerscourt Waterfall und Umgebung
Das nächste Ziel war Glendalough, eine der berühmtesten Klostersiedlungen Irlands aus
dem 6. Jahrhundert, in die sich der Hl. Kevin zur Eremitage zurückzog. Das in den Wicklow Mountains gelegene Tal war das erste
landschaftliche Highlight der Irlandreise.
1066 errichteter Rundturm, in dem während der Wikingerinvasionen religiöse Reliquien, Bücher und Kelche versteckt wurden
St. Kevin´s Kitchen
Die Nacht verbrachten wir dann in einem B&B in Waterford, wo wir das Vergnügen mit einem Hausdrachen der besonderen Art hatten.
Mit knappen, militärmäßigen Anweisungen wurden uns unsere Zimmer (Löcher würde es wohl besser treffen) zugeteilt und anschließend
verschwand sie wieder in ihrem Kämmerchen und schlug uns die Tür lautstark vor der Nase zu. Immerhin ist sie dann wenigstens am nächsten
Tag soweit aufgetaut, dass sie ein halbes Lächeln zustandegebracht hat.
Am zweiten Tag standen die mittelalterliche Stadt Kilkenny und der Rock of Cashel auf dem Programm. Letzterer wurde im 4. Jahrhundert
als Clansitz der Eóghanachta erbaut und vom Hl. Patrick, dem Schutzpatron Irlands, zum Bischofssitz ausgeweitet.
Rock of Cashel
In Cork erwartete mich dann eine Überraschung, auf die ich gut und gerne hätte verzichten können. Nachdem wir aufgrund der fantastischen
Straßenbeschilderung über eine Stunde auf der Suche nach dem B&B in der Stadt herumgekurvt waren, wurde ich mit der Ankündigung begrüßt,
dass für mich kein Zimmer mehr frei wäre, da einer der Gäste plötzlich krank geworden sei und deswegen nicht abreisen konnte. Ich wurde
also behelfsmäßig im Schuppen neben der Waschküche im "Zimmer" des erwachsenen Sohnes untergebracht, der gerade nicht da war. Das "Zimmer"
glich jedoch eher einer Besenkammer, das Bett roch penetrant nach besagtem Sohn und nach einem Blick ins Badezimmer, der mir schwarze Barthaare
im Waschbecken und Fußpilzcreme im Regal offenbarte, wusste ich, dass ich diese Nacht wohl nur mit 8 bis 10 Guinness überstehen konnte. Ich tröstete
mich dann mit einem leckeren Abendessen und beließ es doch nur bei einem Guinness und die Nacht ging dann auch irgendwie rum, obwohl meine Laune am
nächsten Morgen nicht unbedingt die beste war.
Mein etwas fragwürdiges Nachtquartier
:
Das erste prähistorische Highlight brachte uns dann der dritte Tag: den Drombeg Steinkreis. Drombeg ist auf einem Hügel gelegen, von dem aus man einen
schönen Blick auf das Umland hat. In unmittelbarer Nähe zum Steinkreis befindet sich auch eine gut erhaltene, prähistorische Kochstelle.
Den Rest der ersten Woche verbrachten wir dann in Killarny, von wo aus wir die "drei Finger" Irland´s besichtigten: die Halbinseln Baera, Iveragh und Dingle.
Und ich muss sagen, dass sich Irland hier landschaftlich von der besten Seite zeigt. Die urigen Dörfer und fantastischen Ausblicke auf die Küste sind wirklich traumhaft schön.
Hier ist die Natur noch weitestgehend unberührt und ich war ganz begeistert von den Unmengen an Brombeersträuchern, deren Früchte passenderweise auch
gerade reif waren
.
Und wo das Meer ist, sind bekanntlich auch die Möwen nicht weit. Ich hatte also wieder ein paar Opfer gefunden, um meine Füttersucht zu befriedigen
.
Im Gegensatz zum finnischen Federvieh, das sich sehr zivilisiert verhielt, ist unter den irischen Flattermännern bzw. - frauen der Brotneid allerdings sehr ausgeprägt, was sich durch
Schnabelhacken und lautes Gekreische bemerkbar machte:
Besonders malerisch ist das Städchen Dingle mit seinen bunten Hausfasaden. Außerdem habe ich mir dort ein absolut fantastisches "Haifisch-Kebab"
in einem auf den ersten Blick unscheinbaren Fischlokal reingezogen. Also falls jemand von euch mal nach Dingle kommen sollte, kann ich euch nur
wärmstens empfehlen mal im "Out of the Blue" vorbeizuschauen.
Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Irland sind die 200 m hohen Klippen von Moher. Und der Anblick ist in der Tat atemberaubend. Weniger
prickelnd ist allerdings die Vermarktung, die damit betrieben wird: tausende von Touristen und eine riesigen Baustelle, die für noch mehr Parkplätze sorgen wird.
Erst wenn man die Aussichtsplätze und - wege verlässt und (verbotenerweise) bis auf die Klippen selbst klettert, kann man die Umgebung genießen.
Ein besonderer Blickfang in Irland sind vor allem auch die Friedhöfe mit ihren berühmten Hochkreuzen. Diese sind teiweise schon uralt und
Graf Dracula hätte wahrscheinlich die höchste Freude damit.
Muiredach Cross beim Kloster Monasterboice:
Fährt man weiter die Westküste entlang in den nördlichen Teil der Insel, erreicht man die Bezirke Mayo und Donegal. Es handelt sich dabei um die
ärmsten Regionen des Landes und das ist dort auch deutlich zu spüren. Wegen der ausgedehnten Sumpfgebiete gab es hier früher eine große Torfstechertradition.
Heute leben die Leute hauptsächlich von Rinder - und Schafzucht. Geheizt wird allerdings immer noch mit Torf und dieses Zeugs stinkt wirklich erbärmlich.
Über jedem Dorf hängt eine penetranter Brandgeruch und ich wäre manchmal dankbar für ne Gasmaske gewesen
Im Donegal wurde auch bald offensichtlich, wer die eigentlichen Herrscher der grünen Insel sind und ich war entzückt hier so viele meiner
Verwandten anzutreffen...
Schafe....
...und Esel
Besonders die Schafe hatten es mir angetan, denn von der menschlichen Variante mal abgesehen sieht man diese hier in Süddeutschland ja eher selten.
In Irland gibt es diese putzigen Gesellen aber in Massen und nicht selten nehmen sie einem auf der Straße auch die Vorfahrt. Auf jeden Fall waren wir
absolut begeistert von den Wollknäueln, was man umgekehrt allerdings nicht behaupten kann. Bei jedem Annäherungsversuch nehmen diese Feiglinge immer gleich
Reißaus, was mich aber nicht davon abgehalten hat, sie mit meinem Fotoapparat zu verfolgen. Den Schafen,
so viel Aufmerksamkeit nicht gewöhnt, war diese ganze Aktion eher suspekt
Und zumindest ein vorwitziger Hammel hat mir deutlich gemacht, was er von der Fotografiererei hielt und zeigte mir den Vogel:
Und das Schaf lag da womöglich auch nicht ganz so falsch, denn nach zwei Wochen Ir(r)land beginnt die hiesige Mentalität bereits etwas abzufärben, wie man
auf dem folgenden Bild deutlich erkennen kann
:
Natürlich könnte diese erschreckende Persönlichkeitsveränderung auch auf den exzessiven Genuß von "Motor - Öl" (Irish Coffee)zurückzuführen sein wie
dieses "vorher - nachher" - Bild vermuten lässt
:
Wir machten auch einen Abstecher in das englisch besetzte Nordirland und besuchten den Giant´s Causeway - eines der größten, landschaftlichen Highlights
von Irland. Es handelt sich dabei um eine Ansammlung von 40000 Basaltsäulen die vor 60 Millionen Jahren durch Vulkanismus entstanden sind.
Die Legende erzählt jedoch etwas anderes. Danach hat der irische Riese Fionn McCumhail, der Anführer der Fianna, einen Übergang nach Schottland errichtet
um einen Streit mit seinem schottischen Widersacher Benandonner auszutragen. Die Basaltsäulen sollen die Reste dieses Übergangs sein. Falls ihr
Interesse an der ganzen Geschichte habt, könnt ihr HIER mehr darüber lesen.
Mein persönliches Highlight des Urlaubs war allerdings Newgrange. Es handelt sich dabei um das berühmteste Hügelgrab des Brú na Bóinne Komplexes. Man
vermutet, dass es 3200 vor Christus von den Tuatha de Danan erbaut, einem prähistorischen Volk, das vor den Kelten in Irland siedelte. Damit
ist Newgrange 1000 älter als Stonehenge und über 500 Jahre älter als die Gizeh Pyramiden. Zwar wird die Anlage als "Grab" bezeichnet, doch man geht
eher davon aus, dass es sich um eine heilige Stätte handelte, wo Rituale zu Ehren der Muttergöttin abgehalten wurden. Auch ist Newgrange nach der Wintersonnenwende
ausgerichtet und immer am 21. Dezember leuchtet die Sonne bei ihrem Aufgang durch die Passage und erhellt die Kammer für 17 Minuten. Vor dem Eingang
befindet sich eines der wichtigesten megalithischen Kunstwerke. Es zeigt die dreifache Spirale, von der angenommen wird, das sie den ewigen Kreislauf
von Geburt, Leben und Tod/Wiedergeburt symbolisiert.
Die Kammer ist nahezu vollständig erhalten und es ist ein faszinierendes Gefühl in einem Raum zu stehen, der 5000 Jahre alt ist und damals schon
genauso ausgesehen hat. Man kann die Energie des Ortes noch richtig spüren und das hinterläßt einen wirklich bleibenden Eindruck.
Alles in allem war es besonders was die Natur anbelangt ein sehr schöner Urlaub. In B&B´s zu übernachten war eine ganz neue Erfahrung, aber ich muss sagen,
dass ich es bei dieser einen Erfahrung belassen werde und ab sofort sämtlicher Volksnähe zum Trotz wieder Hotels buche. Zwar hatten wir einige Male wirklich Glück mit der Unterkunft, über
den Rest diskutieren wir aber lieber nicht. Ich bin zwar nicht unbedingt ein Mensch der Luxushotels mit goldenen Wasserhähnen braucht, aber es gibt ein
absolutes Muss für mich, und das ist Sauberkeit. Leider war die lange nicht überall gegeben und ich erinnere mich mit Grauen besonders an die letzte Nacht.
Ich erspare euch da lieber die Details, aber ich habe in dieser Nacht das Bett nicht aufgeschlagen, sondern im Jogginganzug und mit sämtlichen Jacken bewaffnet
auf der Tagesdecke campiert. Auf eine weitere Erfahrung dieser Art kann ich getrost verzichten und ich war noch nie so froh, mich daheim wieder in mein
eigenes Bett kuscheln zu können, nachdem ich zwei Wochen lang den Kontakt zu Kissen und Bettdecke auf ein höchstmögliches Minimum reduziert hatte
.
Unsere Begeisterung über das letzte B&B ist unübersehbar:
Trotz der einen oder anderen Unannehmlichkeit haben wir den Urlaub aber sehr genossen und ich bin schon gespannt, wo es mich nächstes Mal hinverschlagen wird.