Wie immer gibt es auch von meiner diesjährigen Reise einen "kleinen" Bericht. Dieses Mal ging es ins Land der Zitronen und Pomeranzen - nach Italien. Unser erstes Reiseziel war die "ewige Stadt" Rom. Mein erster Eindruck von der Hauptstadt Italiens hatte jedoch nicht viel mit Ewigkeit zu tun, sondern mehr mit Chaos, was nicht zuletzt auf die extreme Hitze, die beängstigende Touristeninvasion und das Verkehrschaos zurückzuführen war. Die Relikte des Römischen Imperiums sind allerdings wirklich beeindruckend.
Erster Stopp für uns war dann auch das berühmte Kolosseum - früherer Schauplatz von Gladiatorenkämpfen.



Allein während der 100tägigen Eröffnungsfeier im Jahr 80 n.Chr. wurden 5000 Tiere dort geopfert. Das kann man sich gar nicht vorstellen und man muss sich fragen, wer nun eigentlich die Barbaren waren. Wie hat Obelix doch so schön gesagt: "Die spinnen, die Römer."




Das Kolosseum selbst ist aber wirklich einen Besuch wert, auch wenn man dafür eine 2stündige Wartezeit am Ticketschalter in Kauf nehmen muss. Interessant ist vor allem der heute einsehbare Bereich unterhalb der Bühne. Dort in den engen Tunneln und Gängen hielten sich die Gladiatoren und Tiere vor dem Kampf auf.




Am besten vom alten Rom hat mir das Forum Romanum gefallen, das fast 1500 Jahre lang das Herz des Römischen Reiches war. Obwohl der Platz heute größtenteils von Ruinen, Steinquadern und Säulenresten übersät ist, kann man seine einstige Pracht und Größe immer noch erahnen. Für das alte Rom war dies ein legendärer Ort, da der Sage nach die gestrandeten Zwillinge Romulus und Remus hier von einer Wölfin gesäugt wurden. So gut wie jeder Kaiser und Machtinhaber Roms wollte sich deshalb ein Denkmal auf dem Forum setzen lassen und dementsprechend prunkvoll muss es damals auch ausgesehen haben









Tempio di Saturno (497 v.Chr), ältestes Bauwerk des Forums




Da wir nun schon einmal in Rom waren, mussten wir wohl oder übel auch dem Vatikan einen Besuch abstatten. Da ich zu Religionen im allgemeinen und dem Christentum im besonderen ein eher gespaltenes Verhältnis habe, hielt sich meine Begeisterung diesbezüglich etwas in Grenzen. Doch man muss sich eben bemühen, das Ganze vom künstlerischen Aspekt aus zu betrachten, nicht wahr? In dieser Hinsicht ist zumindest die größte Kirche der Welt, der Petersdom, sehr beeindruckend.

Piazza San Pietro




St. Peter´s Dom






Bernini´s Baldacchino




Michelangelo´s "Pieta", das bedeutenste Kunstwerk im Petersdom




Gerne hätte ich mir die Deckenfresken von Michelangelo und sein berühmtes Werk "Das Jüngste Gericht" in der Sixtinischen Kapelle angesehen. Doch leider war diese zur Zeit für Besucher geschlossen

Nach einem kurzen Besuch bei der eher unspektakulären Spanischen Treppe, ging es weiter zum Trevi - Brunnen. Und ich muss sagen, er trägt den Ruf mit Recht, Italien´s schönster Brunnen zu sein.




Die Skupltur stellt Neptun dar, der von zwei Tritonen flankiert wird - einer Symbol für die stürmische, der andere Symbol für die ruhige See. Seit der Antike ist es Brauch, eine Münze ins Brunnenbecken zu werfen, um die Götter freundlich zu stimmen, und auch ich habe dieser Tradition Genüge getan.

Als Fazit kann man sagen: Rom ist eine sehr schöne Stadt und auf jeden Fall eine Reise wert. Man sollte aber tunlichst vermeiden, die Stadt Anfang August zu besuchen, so wie wir das getan haben. Denn es ist dort einfach heiß wie in der Hölle und so haben wir die Stadt dann mehr oder weniger fluchtartig verlassen. Nach stundenlangem Rumgelatsche bei über 40°C kann man keinen Steinhaufen mehr sehen.

Man fühlt sich wie gekochter Hühnereintopf und es verlangt einen nur noch nach 10 Liter Mineralwasser und einer kalten Dusche.

Zwei Tage waren auch viel zu kurz für diese Stadt und es hätte noch so viel Interessantes zu sehen gegeben. Deshalb war dies gewiss nicht mein letzter Besuch in Rom. Und der Legende zufolge, soll auch jeder in die ewige Stadt zurückkehren, der eine Münze in den Trevi - Brunnen geworfen hat...

Bevor es weiter Richtung Neapel ging, haben wir den Ruinen von Ostia Antica noch einen Besuch abgestattet. Die Hafenstadt des antiken Rom ist in ihrem Grundriss noch fast vollständig erhalten. Besonders beeindruckend sind die Bodenmosaike, an denen die Zeit scheinbar spurlos vorübergegangen ist.





Es ging dann weiter in den Süden auf die Halbinsel von Sorrent. Nichtsahnend steuerten wir unserem nächsten Reiseziel entgehen, nur um uns plötzlich im kompletten Chaos wiederzufinden - mitten unter Tausenden von Italieniern im Ferienfieber. Wohl ein weiterer Grund, warum man es vermeiden sollte, um die Fer`Agosto herum nach Italien zu fahren Auf jeden Fall quälte sich eine gigantische Blechlawine die Küstenstraße nach Sorrent entlang. Das fatale daran ist der italienische Fahrstil. Verkehrsregeln scheinen hier nicht existent zu sein, jeder fährt wie´s ihm gerade passt und man wird links und rechts von knatternden Vespas überholt, die sich durch jede frei Lücke quetschen. Gelegentlich bricht einem da schon mal der Angstschweiß aus. Aber nach dem ersten Schock und einer kurzen Anpassungsphase hat man den Dreh bald raus: einfach voll aufs Gas latschen, wie blöd auf die Hupe drücken und ohne Rücksicht auf Verluste drauf los fahren, während man wild gestikulierend aus dem Auto hinaus schimpft - am besten auf Bayrisch, denn dann reduziert sich die Gefahr eins über die Rübe zu bekommen, weil einen eh keiner versteht

Wir haben dann auch das "Wespennest" Sorrent schnell hinter uns gelassen und uns lieber in einem schönen Hotel im ruhigen Örtchen Sant`Agata einquartiert, wo wir mit grandiosem Essen verwöhnt wurden. Ich habe dort wohl die beste gegrillte Hähnchenbrust meines Lebens gegessen Auch eine Kostprobe der hiesigen Spezialität, dem Limoncello, ließen wir uns nicht entgehen

Die Küstenstraße der Halbinsel ist traumhaft schön, besonders die Amalfiküste am Golf von Salerno. Die Städtchen Positano und Amalfi kleben wie Adlerhorste am Küstengebirge, das steil ins Mittelmeer abfällt, und die orientalisch anmutenden Häuser verleihen ihnen etwas unwirklich-märchenhaftes.






Positano





Besonders gefallen hat mir das Städtchen Vietro, das für seine Keramikkunst bekannt ist. Überall an den Häuserfasaden kann man farbenfrohe Bilder aus Keramikkacheln bewundern.








Ein besonderes Hightlight der Reise war für mich Pompeji. Seit ich mit 10 Jahren den Roman "Die letzten Tage von Pompeji" von Edward Bulwer- Lytton gelesen hatte, wollte ich da unbedingt einmal hin.
Diese antike Stadt am Fuße des Vesuv wurde im Jahr 79 n. Chr. bei einem gewaltigen Vulkanausbruch verschüttet und dabei perfekt konserviert. Für die damaligen Bewohner wurde Pompeji zu einer tödlichen Falle. Aufgrund hoher Flutwellen war ihnen die Flucht übers Meer versperrt und so kamen sie qualvoll in einer 600°C heißen Staub - und Aschewolke ums Leben.



Mittlerweile wurde das alte Pompeji wieder ausgegraben. Durch die Konservierung unter der Vulkanasche bietet sich heute eine nahezu vollständige Momentaufnahme aus jener Zeit.





Die Innenräume mancher Gebäude sind fast komplett erhalten, wie z.B. die Therme, und sogar manche Wandmalereien sind nach fast 2000 Jahren noch intakt!




Die Umrisse der Leichen wurden durch die Vulkanasche ebenfalls perfekt konserviert. Die so entstandenen Hohlräume wurden mit Gips ausgegossen und man erhielt so einen Abdruck der Opfer im Augenblick des Todes, der die Qual dieser Menschen in diesem Moment ziemlich gut wiedergibt.





Hier noch ein Bild von Pompeji mit dem Vesuv im Hintergrund




Natürlich mussten wir diesem Übeltäter ebenfalls noch einen Besuch abstatten. Auch wenn der Aufstieg zum Gipfel des Vulkans etwas anstrengend war, hat sich die Mühe auf jeden Fall gelohnt. Vom Kraterrand hat man einen fantastischen Blick über Neapel und die gesamte Umgebung. Wir hatten auch das Glück, dass gerade an diesem Tag die Sonne nicht ganz so erbarmungslos herunterbrannte und sich einige Wolken zum Gipfel verirrten. Diese spendeten Schatten und sorgten zusätzlich für eine etwas mystische Atmosphäre.






Die Reise ging dann weiter auf die andere Seite des italienischen Stiefels - nach Gargano. Am Eingang des Nationalparks befindet sich hoch oben das malerische Städtchen Monte Sant´Angelo. Es ist v.a. wegen seines Heiligtums bekannt - eine große Kirche, die über einer Felsgrotte erbaut wurde. In dieser Grotte soll der Erzengel Michael einige Male erschienen sein und die Menschen von diversem Unglück befreit haben. Der Legende nach ist er das letzte Mal 1656 aufgetaucht und hat die Stadt von der Pest befreit.
Monte Sant´Angelo selbst ist ein wirklich schönes Städtchen, von dem aus man einen tollen Ausblick übers Meer hat. Sehenswert ist auch das Castello Mediovale - eine Burg aus dem 8. Jahrhundert.






Der Gargano Nationalpark ist vom Tourismus noch weitestgehend verschon geblieben und man kann hier die Natur noch relativ ungestört genießen. Diese ist im Gegensatz zur Halbinsel von Sorrent sehr karg, hat aber ihren eigenen besonderen Reiz. Besonders die Olivenbaumhaine haben es mir angetan, deren Blätter silbern in der Sonne glitzern. Und auch hier gibt es eine wunderschöne Küste mit fast menschenleeren Stränden (in Italien ansonsten eher eine Rarität) und einem verboten türkisfarbenen Meer. Hier waren aber auch schon die Spuren von Hitze und Dürre der vergangenen Wochen zu sehen - große Gebiete sind abgebrannt und nur verkohlte Baumskelette sind übrig geblieben.








Nach zwei Tagen ging es weiter ins Herz der Abruzzen - nach Sulmona. Dort fand die Giostra Cavalleresca d´Europa statt. Dies ist ein internationales historisches Fest mit Pferdewettkampf, Tanzfestival und Festumzug, und wir hatten dort mit unserer Tanzgruppe einige Auftritte.



Hier ist die Piazza Maggiore von Sulmona zu sehen, die während des Festes in eine große Arena verwandelt wird, wo der Pferdewettkampf stattfindet.







Wir hatten bereits während der Pausen des Wettkampfes einige Auftritte in der Arena. Das Highlight fand aber erst am späten Abend beim internationales Renaissance Tanzfestival in der Annunziata statt. Zusammen mit uns traten auch u.a. die Tanzgruppen aus Spanien, Frankreich, Italien und der Tschechei auf.

Hier ist ein Bild unserer Gruppe zu sehen (ich bin ganz links außen im Bild mit dem roten Kleid).




die Annunziata




Bilder vom Auftritt:





Der Auftritt war sehr erfolgreich. Es war sehr schön, die Gelegenheit zu haben, sich mit Tanzgruppen anderer Länder auszutauschen und zusammen zu tanzen. Was mir vor allem auch in Erinnerung bleiben wird, ist unsere spontane Tanzaktion während des Festzuges am nächsten Morgen. Die Band aus Catalanien stimmte den "Pinagay" an und die Tanzgruppen aller Länder fassten sich spontan an den Händen und wir tanzten in einer Reihe die engen Gassen entlang. Die Leute haben gelacht und geklatscht wie verrückt. Das war schon ein tolles Erlebnis und es hat vor allem auch wieder einmal gezeigt, dass Musik und Tanz keine sprachlichen und nationalen Barrieren kennt.

Bevor wir Sulmona verlassen gibt es noch eine kleine Besonderheit über diese Stadt zu sagen: sie ist bekannt für ihr Mandelkonfekt, Dabei werden Mandeln mit Zuckerguß, Schokolade etc. überzogen, bunt eingefärbt und kunstvoll zu Blumen gesteckt:




Während sich der Rest der Tanzgruppe mit dem Bus auf den Heimweg machte, setzten wir unsere Italienreise in Richting Gran Sasso Nationalpark fort. Auf dem Weg dorthin habe ich es aber doch tatsächlich noch geschafft, wenigstens einen einzigen Badetag einzulegen und mich bei Alba Adriatica in die Fluten des Mittelmeeres zu stürzen.



Auch habe ich die Gelegenheit genutzt mir den Bauch endlich mal mit lecker Meeresfrüchten vollzuschlagen. Man glaubt kaum wie lecker "cozze" doch sein kann :D - von Garnelen und Octopus ganz zu schweigen.





Im Gran Sasso Nationalpark befinden sich die höchsten Gipfel der Abruzzen und man hat vom Städtchen Castelli aus einen tolle Blick auf sie:









Die letzten zwei Tage verbrachten wir in einem zauberhaften, mittelalterlichen Bergdorf namens Civitella del Tronto. Wenn man durch die engen Gassen wandert, fühlt man sich wie ins 14. Jahrhundert zurückversetzt.



Das Dorf besitzt auch eine beeindruckende "Fortezza" von der aus man einen grandiosen Blick über die Umgebung hat.









Dann ging es auch schon wieder zurück nach Rom, wo wir die letzten Stunden vor dem Rückflug noch am Strand von Ostia ausklingen ließen.






Insgesamt hat mir die Reise sehr gut gefallen. Was mich etwas gestört hat, waren die Müllberge, die man vor allem in der Umgebung von Neapel alle drei Meter antrifft. Aber die Landschaft und die Natur ist wirklich bezaubernd und auch die Italiener sind ein sehr freundliches und lebenslustiges Völkchen :D Gerade zur Sommerzeit ist da in jedem noch so kleinen Dorf bis in die Nacht Party angesagt, deren Lautstärke hin und wieder ziemlich quälend sein kann. Auch das italienische Essen ist fantastisch und obwohl ich ansonsten eher nicht so auf Süßigkeiten stehe, konnte ich an dem Limonenkuchen und dem köstlichen Eis dann doch nicht vorbeigehen.



Was mir während der Zeit etwas gefehlt hat, war mein Notebook. Aber es gibt bei mir die eiserne Regel: keinen Computer im Urlaub! Nicht, dass sich mein Kopf noch irgendwann einmal in einen Monitor verwandelt. Gegen Ende der zwei Wochen wurde der Entzug jedoch schon etwas hart und jetzt bin ich froh, dass ich den Bildschirm wieder hypnotisieren darf :D






Bilder und Bericht von Melanie