Anlässlich Tarja´s Konzert am 21. Juli 2006 im Rahmen des Savonlinna Opera Festivals bin ich zusammen
mit meinen Eltern nach Finnland gereist. Der Ort des Geschehens - die Burg Olavinlinna - ist allerdings schon allein eine Reise wert und der
perfekte Schauplatz für eine Opernaufführung. Die imposante, mittelalterliche Burg mit ihren drei markanten Türmen wurde auf einer kleinen Insel
erbaut und ist ganz von Wasser umgeben. Doch das Gebäude ist nicht nur von außen beeindruckend: eine Führung durch die Innenräume ist ebenfalls
sehr empfehlenswert und auch sehr abenteuerlich, denn bei den zahlreichen engen, stockdunklen Treppengängen, mit den hohen, unregelmäßigen
Steinstufen muss man höllisch aufpassen, dass man sich nicht den Hals bricht.
Doch am Tag des Konzerts fanden wir uns ohne größere Blessuren im Auditorium der Burg ein, wo wir phantastische Plätze und einen wunderbaren
Blick über die gesamte Bühne hatten. Das Konzert wurde mit einer Darbietung der Ouvertüre aus Mozart´s Cosí fan tutte vom Kuopio Symphony
Orchestra eingestimmt, jedoch in einer verjazzten Variante. Obwohl ich das Stück an sich nicht schlecht fand, muss ich sagen, dass ich die
klassische Variante vorziehe.
Danach kam der langersehnte Auftritt der beiden Stars des Nachmittags: Tarja Turunen und Raimo Sirkiä mit Phantom of the Opera Der
Auftritt war hervorragend in Szene gesetzt: Tarja schwebte eine Steintreppe links der Bühne herab, während Raimo die Szene von rechts
unten kommend betrat.
Danach folgte Tarja´s erster Soloauftritt mit Rusalka´s Arie, die mich glatt aus den Socken haute. Tarja ´s gesangliche Leistung
war einfach umwerfend und ich hätte dem Stück ewig zuhören können.
Die weiteren Lieder wurden dann von Raimo und Tarja abwechselnd solo vorgetragen. Raimo schmetterte Lucio Dalla´s Caruso, gefolgt
von Don´t cry for me Argentina, bei dem Tarja den Refrain auch auf Spanisch sang. Dann kam wieder Raimo mit Lamento di Federico
an die Reihe.
Es folgten drei Stücke von Nightwish. Die Umsetzung von Moondance durch das Kuopio Symphony Orchestra hielt ich für absolut gelungen.
Raimo´s Darbietung von Two for Tragedy fand ich hingegen mehr als dürftig. Als störend empfand ich vor allem, dass er sich einzig bei
den Nightwish Songs mit Notenblättern behelfen musste, was den Eindruck erweckte, diese Lieder seien es ihm nicht wert sie vorher auswendig zu lernen.
Außerdem hielt er mit seinem Stimmvolumen dabei ziemlich hinter dem Berg, während er bei den wirklich hervorragend gesungenen Arien alles einsetzte,
was seine Stimme hergab. Tarja´s Vortrag von Angel´s Fall First war hingegen brilliant.
Das folgende Duett von Elton John´s Written in the Stars war jedoch wieder ein absolutes Highlight und ein sehr gelungener
Abschluss des ersten Teils. Passend zum Titel des Stückes zierte die hintere Burgmauer ein Vorhang aus Lämpchen.
Nach der Pause ging es weiter mit dem Intermezzo aus Cavalleria rusticana, vorgetragen vom Kuopio Symphony Orchestra,
gefolgt von einer weiteren Arie von Raimo - Vesti la giubba - und Tarja´s Darbietung von Somewhere aus der West Side Story.
Anschließend trugen Tarja und Raimo Arm in Arm das Duett There for Me vor. Dem folgte eine absolut geniale Umsetzung von Freestyler,
bei der Dirigent Riku Niemi mit Stepp-, und Trommeleinlagen auf dem Geländer der Zuschauerränge sein beeindruckendes Showtalent unter Beweis stellte.
Es folgte eine Umsetzung von John Fogerty´s Proud Mary, die das Publikum absolut vom Stuhl riss. Nun war Tarja an der Reihe, ihr Showtalent zu
zeigen. Mit diesem Stück bewies sie einmal mehr die große Bandbreite ihrer Stimme und ich habe ihr "rollin´, rollin´" immer noch im Ohr :D
Das Konzert fand seinen gelungenen Abschluss mit einem weiteren Solostück O mio babbino caro, das von Tarja vorgetragen wurde und schließlich mit
Beauty of the Beast, begleitet von einigen Mitgliedern des Opera Festival Choirs. Es war ein besonderes Erlebnis diesem Song einmal
live und noch dazu mit Orchesterbegleitung zu hören. Tarja war sichtlich in ihrem Element und wirbelte mit ihrem berühmten Hüftschwung über die Bühne.
Das Konzert wurde mit einem tosenden Applaus des Publikums gewürdigt, das dann auch mit einer Zugabe belohnt wurde: Brindisi aus La Traviata.
Abschließend kann ich sagen, dass ich von dem Konzert absolut begeistert war. Das Kuopio Symphony Orchester hat eine hervorragende Vorstellung gegeben
und besonders Riku Niemi hat als Dirigent und Entertainer absolut überzeugt. Raimo Sirkiä´s kräftiger Tenor kam besonders bei den Arien sehr gut
zur Geltung. Und Tarja hat es wie immer geschafft, mich vollkommen in ihren Bann zu ziehen. Ihre bezaubernde Art und ihre phantastische Stimme
waren die Krönung des Nachmittags. Mit diesem Konzert hat sie nicht nur bewiesen, welch großes Pot sie nicht nur bewiesen, welch großes Potential in ihr selbst und in ihrer Stimme steckt,
sondern sie hat auch gezeigt, dass sehr gute schauspielerische Talente in ihr stecken. Für mich war es auf jeden Fall ein unvergesslicher
Nachmittag und ich freue mich schon auf das nächste Konzert.
Melanie